Fantasie Bild mit funkelenden Diamanten und einem Einhorn

Kategorie: Ploppi & ich

  • Sind Radfahrer mehr wert als Menschen mit Behinderung? 

    Sind Radfahrer mehr wert als Menschen mit Behinderung? 

    Seit meiner Operation bin ich in einer anderen Welt gelandet. In der Welt der Menschen mit Behinderung. Ich bin das beste Beispiel dafür, dass es schneller gehen kann als einem lieb ist. Wegen meiner Darmkrebserkrankung und dem Stoma bekam ich vorübergehend einen Behindertenausweis mit 70%. Dabei handelt es sich um eine unsichtbare Behinderung, die es mir zum Beispiel auch erlaubt, Eurokey-Toiletten zu benutzen. Hier gab es bis jetzt zum Glück noch keine negativen Vorfälle. Allerdings musste ich bereits feststellen, wie barriereUNfreundlich Wien und Perchtoldsdorf bei Schnee teilweise ist. 

    Leise rieselt der Schnee

    Ja, bei uns schneit es so gut wie nie, dennoch wollte ich an diesem Wochenende meine Eltern besuchen. Bin ich selbst schuld oder hätte ich als behinderte Person, mich einfach einsperren sollen? Ich nutze einen Rollator, weil ich von der Tablettenchemo rasch müde werde, und wegen der OPs nach wie vor schwach bin. Außerdem darf ich nicht schwer heben, weshalb ich Einkäufe und Transporte am Rollator tätige. 

    Nun ja, der Weg zur U-Bahn war bereits ein Hindernis. Der Gehsteig war geräumt, der ganze lange Radweg ebenso. Aber der Weg vom Gehsteig zur Straße war es dann plötzlich nicht mehr. Hinzu kommt, dass ein kleines Häufchen Schnee direkt an der Kante zur Straße lag. Viermal musste ich den Rollator ein wenig anheben, um die Kreuzung zu überqueren. ICH bin noch fähig, das Ding leicht zu heben. 

    Aber was machen Rollstuhlfahrer, kranke oder ältere Menschen? Die weder das Ding heben können noch gut zu Fuß sind. Hauptsache der Radweg ist schön säuberlich geräumt. Vielleicht sollte man ZUERST an die Fußgänger denken und dann an die Radfahrer. Abgesehen davon, dass bei so einem Wetter Radfahren eh saugefährlich ist? 

    Ab zur U-Bahn Station

    Die U-Bahn-Station war in Ordnung, in Siebenhirten kam ich auch noch gut zurecht zu den Busen. In Perchtoldsdorf stieg ich mit meinem Rollator auf und landete direkt im Schnee. Dieser war fast so hoch wie meine Räder. Ein paar Meter weiter ist wieder alles sauber geräumt. Einmal über die Straße darüber, wieder nichts geräumt. Der Bereich gehört einer stillgelegten Firma. Niemand kümmert sich darum. Im Herbst liegen dort die Blätterhaufen, im Sommer ragen teils die Äste aus dem Zaun. Eh wurscht – nicht wahr? Da der Gehsteig dort so eng ist, kann man leider kaum ausweichen. Nach diesem Bereich wurde wieder brav geräumt. Die privaten Häuslbesitzer nehmen ihre Aufgabe wenigstens noch ernst. 

    Zurück über Schnee, Schnee und Schnee

    Bei meiner Rückfahrt fuhr ich noch schnell zum Handelskai. Dank der Wienmobil App wusste ich, dass der Aufzug kaputt ist. Ich fuhr weiter nach Floridsdorf, stieg um und fuhr 2 Stationen zurück. Danke für die Info! Damit kann ich gut leben. 

    Danach ging es heim, ich stieg Atzgersdorf aus. Alles wunderbar geräumt für Fußgänger bis zur Stiege. Der barrierefreie Weg nach hinten war plötzlich nicht geräumt. Es geht bergab, dort wurde komischerweise wieder geräumt, aber nur sehr leicht gestreut, wenn überhaupt. Unten angekommen, waren weit mehr Steinchen zu vernehmen. 

    Bahnhof Atzgerdsorf

    Ich fahre mit dem Bus nach Hause und steige aus. Der Weg vom Bus zum Gehweg ist wieder einmal nicht geräumt. Ich musste mich durchquälen. Danach folgte der Radstreifen, der wieder mal fein säuberlich geräumt wurde, wieder ein Schneehaufen, den ich überqueren musste, damit ich auf den Gehweg komme. 

    Ist das wirklich notwendig? Kann man nicht ein wenig mitdenken und für Barrierefreiheit sorgen? Es betrifft nicht nur Menschen mit Behinderung, auch alle anderen Menschen wollen nicht durch Schneehaufen laufen müssen. Entweder es wird gar nichts geräumt oder alles. Wie kann es sein, dass Radfahrer wichtiger sind als gebrechliche Menschen? Auch Kinderwagen können auf Schnee nicht gut fahren. Wird der Schnee nicht geräumt, friert dieser ein und es wird dann auch noch eine schöne Rutschpartie. Das ist lebensgefährlich. 

    Leider fehlt es vielen Menschen an Empathie

    Auf Facebook hat eine andere Person ähnliches in der Bezirkgsgruppe angemekrt. Sie bittet darum, dass man sich kümmert. Sie wurde zu 80% beleidigt. Rollstuhlfahrer sollen sich nicht so anstellen. Andere sagten ihr, sie solle selbst Schnee schaufeln. Die üblichen Kommentare ala “Wie habt ihr das früher geschafft”. “Ich mit Fahrrad schaffe es auch, dann schafft es ein Rollstuhlfahrer auch!”, “Behinderte Menschen sind eh alle im Krankenstand oder in Pension”, “Sie sollen zuhause bleiben in diesen Tagen”, “Der Schnee ist traumhaft, ich mit Kinderwagen fahre sogar durch den Wald, reg dich nicht über alles auf” etc. 

    Ich war so entsetzt über die Kommentare und Lachsmiley. Keiner hat angeboten zu helfen. Keiner ist auf die Idee gekommen, selbst zu schaufeln oder andere Lösungen anzubieten. Ich finde es traurig, dass man nicht zusammenhalten kann. 

    Vergesst eines nicht: Barrierefreiheit betrifft uns alle – früher oder später! Spätestens mit 80, wenn die Knochen nicht mehr so stark mitspielen, werden es viele am eigenen Leibe erfahren. 

  • Wie alles begann – und wie Ploppi geboren wurde

    Wie alles begann – und wie Ploppi geboren wurde

    Ich sage manchmal, Ploppi sei wie ein Bauchbaby – überraschend, ungeplant und mitten in der dramatischsten Nacht meines Lebens auf die Welt gekommen. In Wahrheit war alles viel ernster: Eine massive Entzündung im Bauch entwickelte sich rasend schnell zu einer Sepsis, mein gesamter Organismus kippte, und durch die Hyponatriämie – einer schweren Wasservergiftung mit gefährlich niedrigem Natriumspiegel – geriet mein Körper innerhalb kürzester Zeit an die Grenze des Zusammenbruchs.

    Ich kam zu einer Not-OP, von der man mir später erzählte, dass sie mein Leben gerettet hat. In dieser ersten Nacht, während mein Körper noch zwischen Schock und Überleben hing, entschieden die Chirurgen, meinen Darm zu entlasten. Und so wurde Ploppi, mein vorläufiges Stoma, angelegt – völlig unerwartet, ohne Vorbereitung, ohne Gespräch, einfach weil es die einzige Chance war.

    Am Anfang wollte ich ihn ehrlich gesagt nur loswerden. Ich verstand nicht, warum das nötig war, warum ich jetzt so leben sollte, und wie ich jemals damit zurechtkommen sollte. Alles war fremd, laut, neu und überwältigend. Aber Ploppi war nicht gekommen, um mich zu bestrafen – er war gekommen, um mich zu retten.

    Intensivstation – ein Monat, der sich wie ein eigenes Leben anfühlte

    Die folgenden Tage und Wochen auf der Intensivstation verschwimmen heute fast miteinander. Ich musste neu lernen, was vorher selbstverständlich war: sitzen, stehen, die Beine heben, atmen ohne Panik, essen ohne Schmerzen, Vertrauen fassen in einen Körper, der komplett aus dem Gleichgewicht geraten war.

    Und obwohl Ploppi schon da war, war die medizinische Reise noch lange nicht vorbei. Als mein Zustand nach der Sepsis stabiler wurde, zeigte sich ein weiteres Problem: In meinem Brustkorb hatte sich Flüssigkeit angesammelt – ein Pleuraerguss, der mir das Atmen schwer machte. Deshalb bekam ich später noch eine Thoraxdrainage in die Lunge, damit die Flüssigkeit ablaufen konnte. Ein weiterer Eingriff, den ich nicht geplant hatte, der aber notwendig war, um wieder frei atmen zu können.

    Jeder dieser Schritte war hart. Aber jeder kleine Fortschritt fühlte sich an wie ein Sieg.

    Von Ablehnung zu Akzeptanz – und schließlich zu einer besonderen Verbindung

    Während mein Körper langsam stärker wurde, lernte ich auch Ploppi besser kennen. Er war laut, unberechenbar, manchmal peinlich, oft anstrengend – aber er funktionierte. Und irgendwann merkte ich, dass ich wegen ihm noch hier bin. Er hat mich durch eine Zeit getragen, in der mein Körper allein nicht mehr konnte.

    Mit der Zeit wurde aus Ablehnung eine Art Frieden. Und später sogar eine Verbindung. Ich begann, über seine Geräusche zu lachen, ihn liebevoll „Ploppi“ zu nennen, und mich nicht mehr dafür zu schämen. Ja, er ist vorläufig. Aber er ist ein Teil meiner Geschichte. Ein Teil, der mir das Leben gerettet hat.

    Ich im Krankenhaus zu Faschingsbeginn am 11.11

    Medizinisch gesehen: ein Sieg mitten im Chaos

    Der Tumor, der all diese Katastrophen ausgelöst hat, wurde vollständig entfernt. Pathologisch war alles N0, L0 – keine Lymphknoten betroffen, saubere Ränder. Medizinisch betrachtet ist das ein Glücksfall nach so einem Verlauf.

    Zur Sicherheit nehme ich jetzt noch Chemotabletten, um jeden möglichen Rest ruhigzustellen. Es ist nicht leicht, aber es fühlt sich an wie ein Sicherheitsnetz, das mich durchs Weiterheilen begleitet.

    Ploppi heute – mein ungewöhnlicher Begleiter

    Heute ist Ploppi mein Alltag. Laut, ehrlich, manchmal mühsam, manchmal komisch süß. Er erinnert mich daran, dass ich überlebt habe. Er zeigt mir täglich, wie stark ich bin. Vielleicht geht er irgendwann. Vielleicht bleib ich noch eine Weile mit ihm zusammen.

    Aber egal wie lange er bei mir ist: Er ist ein Teil meiner Geschichte und ein Symbol dafür, wie viel Mut und Humor man aus purer Not entwickeln kann.