Willkommen im Ploppiversum
Das Ploppiversum widme ich meinem geliebten Stoma Ploppi, das am 18. September 2025 unerwartet das Licht der Welt erblickte. Nach 43 Jahren wurde mein Dünndarm plötzlich Außenminister, nachdem mein Dickdarm wegen Korruptionsskandalen mit Krebszellen in den Knast wanderte.
Ploppi übernimmt jetzt nicht nur die Aufgabe der Ausscheidung, er gründete auch das neue Land Ploppistan. Dieses befindet sich auf dem Planeten Ploppiversum. Unglaublich, aber wahr. Mein Dünndarm hat die Oberhand übernommen. Mein Leben dreht sich nur noch um ihn. Er entscheidet, wann ich schlafe, wann ich eine Toilette benötige und was ich essen darf. Obwohl der kleine Alien, Herr Plopp oder wie ich ihn liebevoll Bauchbaby nenne, manchmal ordentlich Zirkus macht, habe ich ihn lieben gelernt. Das Stockholm Syndrom existiert wirklich. Oder ist es doch eine Art Mutterliebe? Kann man so etwas für sein Stoma entwickeln? Ich scheinbar schon.
Ich sehe Ploppi mittlerweile als mein inneres Kind an. Durch ihn habe ich endlich verstanden, was Selbstfürsorge bedeutet. Ploppi ist mehr als ein Stoma. Er ist mein kleiner Lebensretter und meine Security.
Ich bekam ihn, weil ich einen bösartigen Tumor am Dickdarm hatte. Dazu kamen eine schwere Sepsis, eine Gallenentzündung und eine weitere Entzündung im Unterbauch durch Flüssigkeiten. Ich will hier keine Fachbegriffe nennen, weil das für Laien sowieso alles viel zu kompliziert ist. Ich lag einen Monat auf der Intensivstation und einen weiteren Monat auf der Normalstation.
In der ersten Zeit war die Vorstellung von einem Stoma schlimmer als die bevorstehende Chemotherapie. Meinen geliebten Ploppi wollte ich erst noch loswerden. Seine liebevolle Hebamme hat ihn im Krankenhaus immer gepflegt und mir gezeigt, wie ich ihn in Zukunft versorgen darf. Anfangs funktionierte das noch nicht selbstständig, weil ich nicht einmal in der Lage war aufzustehen. Nach der Intensivstation waren meine Muskeln im wahrsten Sinne des Wortes im Arsch. Erst eine Woche vor der Entlassung konnte ich wieder allein von der Toilette aufstehen.
Gegen Ende des Aufenthaltes fing ich an, meinen Beutel selbst zu entleeren, und es klappte wirklich gut. Zwei Tage vor dem Auschecken durfte ich erstmals Ploppis Haus wechseln und es gelang mir sofort. Ich hatte von Anfang an echt Glück, dass ich es gut konnte und dass meine Versorgung passte.
Dann kam ich nach Hause und alles war irgendwie neu für mich. In den letzten zwei Monaten war die Klinik Landstraße wie ein Zuhause für mich geworden. Plötzlich war ich allein auf mich gestellt. Die nächsten Wochen versuchte ich, alles so gut wie möglich zu verarbeiten. Ich studierte meine Befunde, immer und immer wieder. Ich rekonstruierte meine Zeit auf der Intensivstation. Ich erstellte eine Timeline, wann was passiert ist. Anhand meiner Smartwatch konnte ich auch sehen, wann mir alles abgenommen wurde.
Am Tag meiner Not OP ging ich mit schlimmen Rückenschmerzen zum Hausarzt. Dieser rief sofort die Rettung und ich wurde ins CT geschoben. Danach wurde ich ohnmächtig und wachte drei Tage später auf der Intensivstation auf. Mit einem Stoma, von dem ich nicht einmal wusste, dass so etwas existiert.
Zu Hause angekommen war es am Anfang etwas komisch, den Beutel zu wechseln. Ich konnte das Stoma zuerst nicht ansehen. Doch nach dem dritten Mal war es schon ganz normal. Mittlerweile nehme ich den Beutel ab, begrüße Ploppi und los gehts. Manchmal ist er brav, manchmal nicht. Aber Spaß haben wir beim Wickeln fast immer.
Wenn Ploppi sein neues Haus bekommt, entlässt er manchmal Luft und ich finde es so lustig. Die kleinen Bläschen sind herzallerliebst. Weniger lustig finde ich es, wenn er Output fördert, nachdem ich schon alles trocken gewischt habe. So geht es vermutlich fast jedem Besitzer eines Bauchzwerges dieser Art. Aber wir sind ein Team und meistens lache ich mich einfach schlapp.
Jetzt, rund zehn Monate später, fange ich wieder an zu leben. Ploppi und ich haben uns eingespielt. Meine Tablettenchemo ist vorüber und ich gehe langsam in den Reha Modus. Ich bin schon etwas fitter, aber noch lange nicht wieder ganz ich selbst. Innerlich geht es mir super, meine Werte sind mehr als in Ordnung und auch meiner Psyche geht es gut.
Nach meiner Not OP hatte ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder das Gefühl, dass ich lebe. Ich schätze vieles mehr und bin einfach dankbar. Ich habe null Angst. Ich hatte auch Glück, dass mein Krebs entfernt wurde und keine Rückstände geblieben sind. Umso dankbarer bin ich, dass ich mein Leben quasi neu starten darf.
Endlich bin ich entspannter. Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass ein Teil meiner Krankheit auch daher kam, dass ich die letzten Jahre unter Daueranspannung stand. Die KI hat meine Karriere ruiniert und meine Partnerschaft blockiert. Stress geht auf den Darm und meiner war im wahrsten Sinne des Wortes im Arsch.
Deswegen bin ich so dankbar für Ploppi. Er erlaubt mir, dass ich ausruhen darf. Auch der Staat setzt mich dadurch nicht mehr ganz so stark unter Druck, sofort wieder arbeiten zu müssen. Nicht falsch verstehen, ich bin ein Workaholic. Ich liebe es zu arbeiten. Ich kann sogar kaum ohne Arbeit und fühle mich total schlecht, dass ich derzeit vom Staat abhängig bin. Aber ich möchte in Ruhe meine neue Karriere aufbauen, ohne Druck und ohne den Drang, irgendeinen Drecksjob anzunehmen, der meiner Gesundheit nicht dient.
Ich habe viele Ideen, die ich in Zukunft umsetzen möchte. Eine davon ist Ploppiversum, diese Webseite. Ich möchte anderen Menschen mit Stoma Mut machen und zeigen, dass es nicht so schlimm sein muss, wie man es sich am Anfang vorstellt. Natürlich kommt es immer auf die jeweilige Situation an. Stoma ist nicht gleich Stoma. Es kommt darauf an, wo es liegt, wie es fördert und welche Versorgung man hat.
Doch die innere Einstellung dazu kann Berge versetzen. Daran glaube ich.
Im Ploppiversum werde ich von meinem Leben mit Ploppi berichten. Aufklärung ist wichtig, finde ich. Stomas sind immer noch nicht wirklich in der Gesellschaft angekommen. Ich möchte mit diesem Blog Menschen die Angst nehmen, über Ileostomas aufklären und zeigen, dass es sich nicht um einen ekeligen Dünndarm handelt, sondern um liebevolle kleine Wesen, die fast lebendig sind.
Gerade jetzt ploppt er im Beutel und stimmt mir zu.
Viel Spaß auf meiner Reise. Und falls auch du betroffen bist: Willkommen im Ploppiversum. 🙂

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