Ich sage manchmal, Ploppi sei wie ein Bauchbaby – überraschend, ungeplant und mitten in der dramatischsten Nacht meines Lebens auf die Welt gekommen. In Wahrheit war alles viel ernster: Eine massive Entzündung im Bauch entwickelte sich rasend schnell zu einer Sepsis, mein gesamter Organismus kippte, und durch die Hyponatriämie – einer schweren Wasservergiftung mit gefährlich niedrigem Natriumspiegel – geriet mein Körper innerhalb kürzester Zeit an die Grenze des Zusammenbruchs.
Ich kam zu einer Not-OP, von der man mir später erzählte, dass sie mein Leben gerettet hat. In dieser ersten Nacht, während mein Körper noch zwischen Schock und Überleben hing, entschieden die Chirurgen, meinen Darm zu entlasten. Und so wurde Ploppi, mein vorläufiges Stoma, angelegt – völlig unerwartet, ohne Vorbereitung, ohne Gespräch, einfach weil es die einzige Chance war.
Am Anfang wollte ich ihn ehrlich gesagt nur loswerden. Ich verstand nicht, warum das nötig war, warum ich jetzt so leben sollte, und wie ich jemals damit zurechtkommen sollte. Alles war fremd, laut, neu und überwältigend. Aber Ploppi war nicht gekommen, um mich zu bestrafen – er war gekommen, um mich zu retten.
Intensivstation – ein Monat, der sich wie ein eigenes Leben anfühlte
Die folgenden Tage und Wochen auf der Intensivstation verschwimmen heute fast miteinander. Ich musste neu lernen, was vorher selbstverständlich war: sitzen, stehen, die Beine heben, atmen ohne Panik, essen ohne Schmerzen, Vertrauen fassen in einen Körper, der komplett aus dem Gleichgewicht geraten war.
Und obwohl Ploppi schon da war, war die medizinische Reise noch lange nicht vorbei. Als mein Zustand nach der Sepsis stabiler wurde, zeigte sich ein weiteres Problem: In meinem Brustkorb hatte sich Flüssigkeit angesammelt – ein Pleuraerguss, der mir das Atmen schwer machte. Deshalb bekam ich später noch eine Thoraxdrainage in die Lunge, damit die Flüssigkeit ablaufen konnte. Ein weiterer Eingriff, den ich nicht geplant hatte, der aber notwendig war, um wieder frei atmen zu können.
Jeder dieser Schritte war hart. Aber jeder kleine Fortschritt fühlte sich an wie ein Sieg.
Von Ablehnung zu Akzeptanz – und schließlich zu einer besonderen Verbindung
Während mein Körper langsam stärker wurde, lernte ich auch Ploppi besser kennen. Er war laut, unberechenbar, manchmal peinlich, oft anstrengend – aber er funktionierte. Und irgendwann merkte ich, dass ich wegen ihm noch hier bin. Er hat mich durch eine Zeit getragen, in der mein Körper allein nicht mehr konnte.
Mit der Zeit wurde aus Ablehnung eine Art Frieden. Und später sogar eine Verbindung. Ich begann, über seine Geräusche zu lachen, ihn liebevoll „Ploppi“ zu nennen, und mich nicht mehr dafür zu schämen. Ja, er ist vorläufig. Aber er ist ein Teil meiner Geschichte. Ein Teil, der mir das Leben gerettet hat.

Medizinisch gesehen: ein Sieg mitten im Chaos
Der Tumor, der all diese Katastrophen ausgelöst hat, wurde vollständig entfernt. Pathologisch war alles N0, L0 – keine Lymphknoten betroffen, saubere Ränder. Medizinisch betrachtet ist das ein Glücksfall nach so einem Verlauf.
Zur Sicherheit nehme ich jetzt noch Chemotabletten, um jeden möglichen Rest ruhigzustellen. Es ist nicht leicht, aber es fühlt sich an wie ein Sicherheitsnetz, das mich durchs Weiterheilen begleitet.
Ploppi heute – mein ungewöhnlicher Begleiter
Heute ist Ploppi mein Alltag. Laut, ehrlich, manchmal mühsam, manchmal komisch süß. Er erinnert mich daran, dass ich überlebt habe. Er zeigt mir täglich, wie stark ich bin. Vielleicht geht er irgendwann. Vielleicht bleib ich noch eine Weile mit ihm zusammen.
Aber egal wie lange er bei mir ist: Er ist ein Teil meiner Geschichte und ein Symbol dafür, wie viel Mut und Humor man aus purer Not entwickeln kann.

